Struktur der Moritz-Schlick-Gesamtausgabe

 

Hier werden die grundsätzliche Struktur der Moritz-Schlick-Gesamtausgabe (MSGA) und die Art, wie die Schriften Moritz Schlicks im Rahmen der Edition bearbeitet werden, kurz vorgestellt.

 

Was umfasst die MSGA?

Die MSGA gliedert sich in verschiedene Abteilungen:

Abteilung I umfasst die zu Lebzeiten von Schlick veröffentlichten Schriften. Aus dieser Abteilung sind bereits die Bände I/1, I/2, I/3, I/5 und I/6 erschienen.

In Abteilung II werden die nachgelassen Schriften von Schlick bearbeitet und veröffentlicht. Aus dieser Abteilung sind bereits die Bände II/1.1, II/1.2, II/1.3, II/2.1 und II/5.1 erschienen.

Derzeit werden aus Abteilung II folgende Bände bearbeitet:

  • Band II/2.2: Naturphilosophische Schriften II

  • Band II/3.2: Vorlesungen, Vorträge und Fragmente zur Ethik

  • Band II/5.2: Schriften zum Begriff und zur Geschichte der Philosophie

  • Band II/4.1: Natur, Kultur, Kunst

 

Der Briefwechsel von Schlick wird in den Bänden der Abteilung III veröffentlicht. Die Bearbeitung dieser Bände ist ab 2020 vorgesehen.

Abteilung IV enthält Register und Varia. So ist etwa die Bearbeitung von Schlicks Aphorismen im Rahmen dieser Abteilung ab 2024 vorgesehen.

 

Wie werden Schlicks Schriften bearbeitet?

Die MSGA ist eine historisch-kritische Gesamtausgabe. Sie stützt sich auf den Nachlass Schlicks, der von der Wiener-Kreis-Stichting verwaltet wird und sich, abgesehen von wenigen Ausnahmen, im Noord-Hollands Archief in Haarlem befindet. Die dort verwalteten Dokumente wurden nach Inventarnummern und Signaturen geordnet, an denen sich die Edition orientiert. (Link zum Wiener Kreis Archief)

In den Bänden informieren editorische Berichte und eine textkritische Kommentierung u.a. über Entstehung, Überlieferung und Varianten der abgedruckten Texte. Sie machen die Abhängigkeit der Nachlassstücke untereinander sowie ihre Stellung im Gesamtwerk deutlich. Zu diesem Zweck werden Exzerpte, Marginalien, Korrekturen, Streichungen, Anstreichungen und auch andere Dokumente (Briefe, Notizen, Vorlesungsverzeichnisse, Druckfahnen etc.) berücksichtigt. Bei der textkritischen Bearbeitung wird nicht das Originallayout übernommen, sondern ein lesbarer Text konstruiert, der jedoch Informationen über alle Überarbeitungsschichten und den gesamten Textbefund enthält.

Hinzu kommen Bandeinleitungen und erläuternde Kommentare. Die Bandeinleitung informiert über den jeweiligen Schwerpunkt des Bandes sowie den unmittelbaren zeit- und wissenschaftsgeschichtlichen Kontext, wobei die Rezeptionsgeschichte ab der Entstehung des jeweiligen Stückes nicht thematisiert wird. Die erläuternden Kommentare liefern Nachweise, Ergänzungen, Berichtigungen von Zitaten sowie sachliche Erläuterungen zu Debatten und Begriffen.

Die verschiedenen Aspekte der Bearbeitung eines Stückes werden wohl am ehesten deutlich, wenn man sie an einem Beispiel demonstriert. Das folgende Bild zeigt rechts ein Blatt des im Nachlass überlieferten Stückes mit der Inv.-Nr. 015, A.48, und links die Wiedergabe als Logik – [Wien] in dem kürzlich erschienenen Band II/1.3 der MSGA, der Schlicks Vorlesungen und Aufzeichnungen zur Logik und Philosophie der Mathematik enthält. Das Beispiel zeigt beinahe das ganze Arsenal editorischer Werkzeuge. Dass sie alle benötigt werden, ist eine Besonderheit dieses Stückes.