MORITZ-SCHLICK-FORSCHUNGSSTELLE MPIWG BERLIN INSTITUT FÜR PHILOSOPHIE

Universitätsgeschichte
Prof. (emer.) Kersten Krüger (Historisches Institut)
Im Hinblick auf das 2019 anstehende 600jährige Jubiläum der Universität Rostock benannte der damalige Rektor, Prof. Hans Jürgen Wendel, einen Beauftragten des Rektors für die Universitätsgeschichte, Herrn Prof. Dr. em. Kersten Krüger, und stellte ihm eine Kommission zur Vorbereitung des Jubiläums 2019 an die Seite. Dieser gehören an: Ehrensenator Prof. Dr. em. Horst Pätzold, der Direktor der Universitätsbibliothek, Dr. Jürgen Heeg, die Leiterin des Universitätsarchivs, Angela Hartwig, und die Sprecher des Arbeitkreises Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, Dr. Gisela Boeck und Prof. Dr. Hans-Uwe Lammel. Die Forschungsstelle für Universitätsgeschichte unter Leitung von Kersten Krüger ist mit zwei Stellen für wissenschaftliche Hilfskräfte und Sachmitteln für laufenden Bedarf ausgestattet; sie hat ihren Dienstraum im Hauptgebäude der Universität. Entsprechend der vom Rektor bestätigten Konzeption vom Dezember 2004 werden im ersten Schritt Grundlagenforschungen durchgeführt, die Voraussetzungen für eine spätere Gesamtdarstellung der Geschichte der Universität Rostock schaffen, deren Teilergebnisse aber so bald wie möglich der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen. Folgende Projekte werden bearbeitet:
1. Catalogus Professorum Rostochiensium
2. Matrikel der Universität 1419–1932, 1933–1945
3. Zeitzeugenberichte zur jüngsten Geschichte der Universität Rostock
4. Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte
5. Gesetze, Verordnungen und Statuten der Universität Rostock 1419–1872
6. Bibliografie zur Geschichte der Universität
7. Sammlung der an der Universität Rostock entstandenen Veröffentlichungen
1. Catalogus Professorum Rostochiensium
Der CPR ist ein digitaler Katalog, der alle Professoren und Kanzler der Uni-versität Rostock seit 1419 enthalten wird. Die Internet-Adresse lautet: cpr.uni-rostock.de. Gegenwärtig sind rund 1.000 Einträge erstellt. Den größten Anteil daran haben die zur Zeit aktiven und emeritierten Professoren, die eigene Angaben beisteuerten. Nach der Auswertung des von Bernhard Wandt erstellten „Verzeichnisses des Lehrkörpers der Universität Rostock 1419–1945“ und unter Heranziehung der Vorlesungsverzeichnisse von 1991 bis 2006 kann für diesen Zeitraum von einer vollständigen Zusammenstellung ausgegangen werden. Die noch verbleibende Lücke (1945–1991) wird durch die laufende Bearbeitung der Personalakten geschlossen. Gesonderte Kataloge für die Rektoren und für die Kanzler werden erstellt. Die digitale Version erlaubt und erfordert ständige Aktualisierung. Es kann jederzeit eine Druckversion erstellt werden, jedoch ist das erst sinnvoll, wenn Vollständigkeit erreicht ist. Die Präsentation im Internet wird in hervorragender Weise von der Universitätsbibliothek im Rahmen der Digitalen Bibliothek gestaltet.Auf dem Workshop der Universitätsbibliothek Leipzig zum Thema „Professorenkataloge online” konnte unser Mitarbeiter Karsten Labahn mit Erfolg zum „Catalogus Professorum Rostochiensium” am 15. November 2008 vortragen.
2. Matrikel der Universität 1419–1932, 1933–1945
Den Lehrenden stehen die Lernenden in großer Anzahl gegenüber. Auch sie werden digital erfasst und sollen in einer Internetversion zugänglich gemacht werden. Im ersten Teilprojekt werden die Studenten 1419–1830 aus der gedruckten Matrikel in eine Datenbank übertragen. Diese umfasst gegenwärtig rund 30.000 der insgesamt 48.000 Studenten dieses Zeitraums. Aus hauptsächlich ungedruckten Quellen werden im Anschlussprojekt die Studierenden von 1831 bis 1932 in die Matrikeldatenbank übertragen, deren Zahl erheblich höher liegt. Die rund 8.000 Studierenden von 1933 bis 1945 sind bereits im Zusammenhang mit einer Dissertation (Juliane Deinert: Die Rostocker Studentenschaft im Dritten Reich [1933 – 1945]. Diss. Phil. Rostock 2008.) in einer Datenbank erfasst. Für die Studierenden nach 1946 ist eine Verbindung zum Alumni-Projekt der Universität Rostock vorgesehen, in welchem – unter Beachtung des Datenschutzes – die gegenwärtigen und die Studierenden der jüngsten Vergangenheit nachgewiesen werden sollen.
3. Zeitzeugenberichte zur jüngsten Geschichte der Universität Rostock
Im Interesse einer möglichst breiten, die schriftliche Überlieferung übertreffende Dokumentation der jüngsten Geschichte der Universität Rostock fanden unter Leitung von Kersten Krüger seit dem Wintersemester 2006/2007 drei Zeitzeugenseminare statt. Dort berichteten Professoren und Absolventen über ihre Biografien und akademischen Karrieren zur Zeit der DDR und während der Hochschulerneuerung nach 1990. Die Seminare mit der Möglichkeit zur Diskussion mit den teilnehmenden Studierenden erwies sich als wissenschaftlich außerordentlich fruchtbar. Denn es kamen viel mehr Informationen heraus, als in einem Vieraugengespräch zu erwarten gewesen wären. Die transkribierten und stilitisch geglätteten Protokolle sowie die Tonaufzeichnungen der Sitzungen sind veröffentlicht – sowohl in Buchform wie digital in der Digitalen Bibliothek der Universitätsbibliothek.
4. Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte
Teilergebnisse von Forschungen zur Geschichte der Universität Rostock sind zügig und kostengünstig zu veröffentlichen. Hiefür wurde die Reihe der Veröffentlichungen gegründet, die in kleiner Auflage erscheint, zugleich digital in der Digitalen Bibliothek der Universitätsbibliothek. Es können jederzeit gedruckte Exemplare im Verfahren des Print-on-Demand beim Universitätsarchiv bestellt werden.
5. Gesetze, Verordnungen und Statuten der Universität Rostock 1419-1872
Mit ihrer Gründung 1419 wurde die Universität Rostock eine Korporation eigenen Rechts mit der Kompetenz, Recht zu setzen und zu Recht zu sprechen. Erst mit der durch die Reichsgründung bedingten Rechtsangleichung verlor die Universität diese Kompetenz. Die Universität hatte zahlreiche Statuten und Verordnungen mit Gesetzeskraft für die Angehörigen der Universität erlassen, bis in s 18. Jahrhundert hinein in lateinischer, danach in deutscher Sprache. In diesem Projekt werden die Gesetze, Verordnungen und Statuten der Universität Rostock gesammelt und ediert sowie übersetzt, soweit sie auf Latein erschienen waren. Diese Sammlung soll veröffentlicht werden und die Grundlage für eine Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Rostock bilden.
6. Bibliografie zur Geschichte der Universität
Grundlage aller Forschungen und Darstellungen ist eine Bibliografie. Dies wird von der Universitätsbibliothek erarbeitet. Grundlage bildet eine Systematik, die in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für die Universitätsgeschichte entworfen wurde. Die Bibliografie ist fortgeschritten, aber von ihrer Fertigstellung noch entfernt.
7. Sammlung der an der Universität Rostock entstandenen Veröffentlichungen
Es gehört zum Selbstverständnis der Universität, alle durch ihre Angehörigen erarbeiteten Forschungsergebnisse zu sammeln und zur Verfügung zu stellen, so weit sie veröffentlicht sind, sei es selbständig, unselbständig in Sammelwerken und Zeitschriften oder digital. Es besteht seit 2005 die Verpflichtung aller Angehörigen der Universität Rostock, jeweils ein Pflichtexemplar ihrer Veröffentlichungen der Universitätsbibliothek abzuliefern. Die Universitätsbibliothek hat hierfür Aufbewahrungsflächen und Bearbeitungszeiten bereitgestellt. Die Sammlung befindet sich im Aufbau.
Literatur
Krüger, Kersten (Hg.): Die Universität Rostock zwischen Sozialismus und Hochschulerneuerung. Zeitzeugen berichten. Bd. 1. Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte, Rostock 2007.
Krüger, Kersten (Hg.): Die Universität Rostock zwischen Sozialismus und Hochschulerneuerung. Zeitzeugen berichten. Bd. 2. Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte, Rostock 2008.
Krüger, Kersten (Hg.): Die Universität Rostock zwischen Sozialismus und Hochschulerneuerung. Zeitzeugen berichten. Bd. 3 Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte,(in Vorbereitung).
Buchsteiner, Martin und Antje Strahl: Zwischen Monarchie und Moderne. Die 500-Jahrfeier der Universität Rostock 1919. Bd. 4. Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte, Rostock 2008.
Ziegler, Kurt: Zum 50jährigen Bestehen der Tropenmedizin an der Universität Rostock. Bd. 5. Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte, Rostock 2008.
Herzig, Jobst D. und Catharina Trost: Die Universität Rostock 1945-1946. Entnazifizierung und Wiedereröffnung. Bd. 6. Rostocker Studien zur Universitätsgeschichte, Hrsg. v. Kersten Krüger. Rostock 2008.


